Erst Licht, dann Strom, dann Emotion | Urbex & Sport Fotoblog by dsgk

Beiträge mit Schlagwort “Ostern

Keine Rügen über Rügen

Rügen ist ein Kontinent vor der deutschen Ostküste. „Folge dem Stral durch einen Sund, überquere den neuen Bifröst, beobachte dabei die Hochseeangler auf dem alten Bifröst und ignoriere deinen Navigator!“, so kommst du nach Asgard Rügen. An Heimdall und Toll Collect müsst ihr mit einem PKW (Stand 2016) übrigens nicht vorbei.

Bodenschätze gibt es auf dieser geotektonischen Platte keine. An ihren Stränden lässt sich jedoch vereinzelt wertloser Bernstein finden. Die Herkunft ist umstritten, doch Experten vermuten, dass diese fossilen Relikte angespült werden, wenn Rentner bei Kaffeefahrten über Bord gehen und hungrigen Seelöwen zum Opfer fallen.

Zurück zum Ernst des Lebens, das Leben schenkt euch nichts. Wir haben weder das Bernsteinzimmer, noch alte Störtebeker-Piratenschätze gefunden. Es gab dafür aber reichlich Sonnenschein vom Himmel herab und aus der Flasche heraus. Rügen ist das perfekte Reiseziel für Wanderungen, frische Luft, Entschleunigung.

Einige regionale Inselbräuche sind mitunter auch als Tourist schön anzusehen. Empfehlenswert sind beispielsweise die alljährlichen Strandscheiterhaufen in Binz, die es dieses Jahr zum ersten Mal zu bestaunen gab. Über mehrere hundert Meter am Strand wurden Kubikmeterweise Treibholz, angespülte Kadaver und herrenlose Strandtücher aus dem Vorjahr aufgehäuft. Diese Haufen werden am Vorabend des Ostersonntags, bei Einbruch der Dunkelheit, entzündet. Aus Angst vor heidnischen Dämonen, denen es überhaupt nicht gefällt zu einem christlichen Fest gerufen zu werden, trafen wir die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt etwas anderes zu tun. Also fuhren wir mit dem rasenden Roland, der gewisse Ähnlichkeit zum Zug aus „Zurück in die Zukunft III“ hat, nach Sellin.

Wenn ich mich heute, fast einen Monat nach der Reise, an Rügen zurückerinnere, dann kommen mir nur positive und spaßige Momente in Erinnerung. Darum fällt es mir leicht zu sagen, dass Rügen mich noch einmal ertragen muss. So vieles habe ich noch nicht gesehen: Den Hafen von Sassnitz, Putgartens Kap Arkona, das Backsteintürmchen bei Bergen, die blühenden Putbusser Bärlauchgärten (die Mitte März noch nicht geblüht haben) und den Leuchtturm im Norden von Hiddensee.


Etwas Zeit für die goldene Stadt – Prag 2014

Es ist nun schon über acht Wochen her, als wir an der Moldau die letzte Station der OST2014 besuchten, Prag.

Ihr kennt das sicher noch: Damals, als Fotos nicht dem Smartphone gemacht und zur NSA hochgeladen wurden, landeten sie auf Speicherkarten, dann auf der Festplatte und erst dann bei der NSA. Das wars erst einmal mit dem Leben der Fotos. Sie mussten nun reifen, vergessen und durch irgendeinen blöden Zufall gelöscht werden. Acht Wochen können da schon ausreichen, aber ich war schneller. Ganze vier Fotos konnte ich aus der Festplattenreifung retten!

Dieser schwierige Prozess benötigt allerdings etwas Zeit. Daher habe ich mir einen Weg einfallen lassen, um euch eure wertvolle Zeit zu rauben. Dies wird nicht durch lange, ausschweifende Erklärungen wie diese passieren und auch nicht durch übermäßig viel Blödsinn den ich niederschreiben könnte. Nein, ich werde jeden Tag von heute an (Dienstag) bis Freitag nur ein Foto bloggen! Das ist doch eine *hiereinbeliebigesadjektiveinfügen* Idee 😀

Bitte nehmt euch dennoch etwas Zeit für die wunderschöne Stadt Prag. Thematisch passend beginne ich heute mit einer Uhr, die jeder schon einmal gesehen hat. Also, dachte ich, ist es auch nicht schlimm noch ein weiteres Foto davon zu sehen. Weiter geht es in den kommenden Tagen über die Moldau, um sich einen Überblick zu verschaffen und schließlich einen guten Blick auf die goldene Stadt Prag zu genießen.

Falls ihr schon einmal vor dieser Uhr gestanden habt, werdet ihr sicher auch nachvollziehen können, dass eine perspektivisch-korrekte Abbildung ohne stürzende Linien … schwierig ist 😉 Danke fürs da sein und bis morgen!


Der Zwinger – Dresden 2014

Diesmal probiere ich so zu bloggen, wie es einige andere Fotoblogger tun. Hier als Teil der OST2014 – Der Zwinger.

Danke und bis bald.


Das Elfenufer – Dresden 2014

Weiter geht es auf der OST2014 am Elfenufer in Dresden, das Teil des Dresdener Elbtals ist. So gastfreundlich die Sachsen auch sind, so merkwürdig ist auch ihre Sprache. In einem Landstrich Deutschlands, der regelmäßig überschwemmt wird und, wie der Nil, fruchtbaren Boden nach der Flut hinterlässt, ist dieses schöne Flussufer zu finden.

Die Eingeborenen nennen diesen Fluss Elbe. Eine Elbe (manchmal auch Elbin genannt) beschreibt im dort hiesigen Sprachgebrauch eine Elbenfrau (wie z.B. Arwen oder Galadriel aus Der Herr der Ringe). Aus dem Englischen leitet sich der Begriff Elb oder Elbe vom germanischen Elf oder der Elfe ab. Somit ist schnell geklärt was es mit dem Namen des Elbufers auf sich hat.

Da die Sachsen gerne angeln, fühlen sie sich mit der englischen Begrifflichkeit deutlich wohler und verwenden diese häufiger. Nur aus Solidarität wird der Fluss im restlichen Deutschland auch Elbe anstelle von Elfe genannt.

Aufgrund dieses kaum nachvollziehbaren sprachwissenschaftlichen Hintergrundes reicht die Schönheit des Elbufers allein nicht mehr aus um als UNESCO Welterbe der Menschheit zu gelten. Schade. Ein weiterer Grund könnte sein, dass es am Ufer der Elbe gar keine Elfen (oder Elben) gibt. Die Abwesenheit dieser mystischen Wesen wird aber von manchen Experten als wissenschaftlicher Anhaltspunkt dafür angesehen, dass der Kontinent Europa vor dem Kontinentaldrift nicht Teil von Pangea war, sondern von Mittelerde!

Wie in der Dokumentation „Die Rückkehr des Königs“ festgehalten wurde, verließen die Elben Mittelerde nach dem Sieg der Menschen über ‚den Abscheulichen‚. Dies muss vor ziemlich genau 2014 Jahren geschehen sein, da die Menschen in diesem Krieg von ihrem aus dem Exil zurückgekehrten König angeführt worden sind. Dieser König der Menschen war Jesus Christus!

Tiefer möchte ich nicht auf dieses Thema eingehen und empfehle allen interessierten die Bibel und den Herr der Ringe zu lesen. Beides sind sehr schön ausgeschmückte Romane, die dennoch ein Körnchen Wahrheit enthalten. Für den visuellen Lern-Typen, der ungern liest, gibt es alle Bücher auch als Verfilmung mit Making-of.

Danke fürs durchhalten und bis zum nächsten Unsinn. Übrigens bekommt Ihr eine größere Ansicht von dem Panorama, wenn ihr drauf klickt.


Frauenkirche – Dresden 2014

Ostern ist vorbei und schon wieder fast vergessen. Zeit zum Erinnern hat man nur, wenn man sie sich nimmt. Daher nehme ich mir die Zeit das eine oder andere Foto zu bloggen, das ich über Ostern geschossen habe.

Das lange Wochenende bietet sich jedes Jahr erneut an, um einen Ausflug zu machen. Vielleicht erinnert sich ja sogar jemand daran, dass das bei mir eigentlich bedeutet neue Urbex-Ziele zu besuchen (OUT2013). Dieses Jahr sollte alles anders sein: Wir besuchten auf der Oster-Städte-Tour-2014 (kurz OST2014) die wichtigsten Orte in Dresden und Prag.

Aber keine Angst! Da wir in Hildesheim von Geschichte und Kultur überschwemmt wurden, konnten wir eine natürliche Resistenz ausbilden. Wie eine Immunisierung oder die Bildung von Gegengift, haben wir einen Schutz vor der geschichtlichen und kulturellen Wichtigkeit in Dresden und Prag ausgebildet. Da dies hier zudem ein Fotoblog sein soll, brauche ich glücklicher Weise nicht anfangen ausschweifende Reden zu halten. Alles wichtige zur Frauenkirche findet ihr ausreichend genau bei Wikipedia: „Frauenkirche (Dresden)

Eine komplette Fotogalerie gibt es noch nicht 😦 Mein sieben Jahre alter Computer legt sich, wenn es um Fotobearbeitung und generell alles Andere geht, ganz gewaltig mit meiner Geduld an. Daher versuche ich mich nun regelmäßig aufzuraffen, um nach und nach ein Bild nach dem Anderen zu bloggen, anstatt alle auf einen Streich. Hier kommt nun das erste Foto dieser Tour, die (wiederaufgebaute) Frauenkirche.

Danke fürs vorbeischauen! Sehr bald sollte schon das nächste Foto hier erscheinen. Bis dahin, ciao.


Ein kleines Osterei

Noch ist Ostermontag und ich bin schon wieder daheim. Daher fühle ich mich verpflichtet ein kleines Osterei hier zu lassen. Es hat nichts damit zu tun, was ich über Ostern (2014) gemacht habe, aber es stammt aus einem anderen Mini-Projekt, mit dem ich mich vor einiger Zeit beschäftigt habe. Um es euch nicht vorzuenthalten, habe ich mich entschlossen es euch als Easter Egg hier zu lassen.

Der Eine oder Andere mag sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich im Juli 2013 auf Helgoland war (für alle die sich nicht erinnern hier klicken). Das damals gepostete Schwarzweißfoto habe ich (natürlich) in Farbe geschossen. Damit bekommt man die maximalen Informationen in die RAW-Datei und kann die Schwarzweißkonvertierung so vornehmen, wie man selbst es möchte und nicht so, wie es einem die Kamera vorgibt. Jedenfalls habe ich das unbearbeitete bzw. nicht-entwickelte Farbfoto und das fertige Schwarzweißfoto in einer GIF-Animation verpackt. So konnte ich ein wenig üben GIF-Dateien zu erstellen und das coole ist, dass Ihr euch den Unterschied aus Original- und  fertig bearbeiteter Datei anschauen könnt 😀 Hier kommt es:

Bild-von-Helgoland

Bis bald zur Aufbereitung der Ostertour 2014. Ich hoffe Ihr hattet ein paar schöne Feiertage und bedanke mich fürs vorbeisurfen!


Asche zu Asche

Dies ist nun die letzte Location der OUT2013. Mit ihr endet mein Themenblogging, dass ich vor 74 Tagen begann. Es könnte kaum besser passen. Der letzte Ort den wir besuchten, war auch für viele andere Menschen der letzte Ort den sie besuchten. Hier verließen Viele ihre menschliche Hülle und hinterließen ihren Angehörigen nur noch Erinnerungen. Wir fanden uns am Ende unseres Weges in einem Krematorium wieder.

Ursprünglich wollten wir einen Zahnarztstuhl finden und fuhren dafür Stundenlang durch Deutschland. Als wir ankamen war er ganz einfach weg. Nicht weit entfernt davon sollte es ein Krematorium geben und da sich die Sonne langsam dem Horizont entgegen neigte durften wir nicht lange Überlegen. Wir fanden es, parkten und schnappten unsere Fotorucksäcke. Im Inneren war es dunkel, kalt,  gespenstisch, still. Wir fanden zuerst einen kleinen runden Raum in dessen Mitte ein Schlitten auf Schienen stand. Darüber befand sich eine Luke in der Decke.  In den Wänden eingemauert fanden wir die Verbrennungsöfen. Auf dem Boden davor gab es wieder diese Schienen. So konnte der Schlitten auf den einen oder anderen Ofen ausgerichtet und anschließend dort hin gefahren werden.

Links und rechts vom Eingang dieses Raumes gingen Gänge ab, die mit Treppen in die Kellerbereiche dieser Anlage führten. Wir fanden ebenfalls einen Weg hinauf. Oben war ein kleiner, jedoch hoher Saal, in dessen Mitte ein Sarg zu liegen schien. Bei näherer Betrachtung viel auf, dass es die Luke war,  unter deren Deckel es hinab in den kleinen, dunklen Raum ging. Eine hölzerne Treppe führte noch weiter hinauf auf eine Empore. Man schaute hinab auf die Luke und auf ein Kreuz des Christentums. Einst wurden in diesem Saal die Verstorbenen aufgebahrt und zeremoniell verabschiedet. Der Sarg wurde anschließend durch die Luke auf den Schlitten darunter herab gelassen und in einen der Öfen geschoben. Einige der Dielen, die heute unter einem Haufen Dreck begraben sind, knarzten mit jedem Schritt. Andere gaben nur ein dumpfes Geräusch von sich. Wie viele Tränen mussten diese Dielen wohl auffangen?

Zwischen 1910 und 1990 wurden hier über 100’000 Menschen wieder zu Staub und Asche. Dazu mussten im Laufe der Zeit die Kühlkammern vergrößert, eine Laderampe und Büroräume angebaut und die Abläufe genauer geplant werden.

Nach 90 Jahren Leben und 90 Minuten Einäscherung bleiben von einem Menschen noch immer sterbliche Überreste zurück. Knochen und Zähne verbrennen nicht, sie müssen zu feinem Staub gemahlen werden. Wir fanden auch noch eine dieser Knochenmühlen in den Kellerräumen dieser Feuerbestattungsstätte. Ich will mir nicht vorstellen müssen was für ein schauderhaftes Geräusch entsteht, wenn Knochen und Zähne in einer blechernen Mühle zerrieben werden.

Emotionen blieben jedoch beim Personal in den meisten Fällen auf der Strecke. Zu viele Namenlose und Menschen ohne Angehörige wurden hier eingeäschert, von kalten Herzen in die heißen Öfen geschoben. Wie geht es dir bei diesem Thema? Ich war erst einmal auf einer Trauerfeier, doch der Tod begegnet mir und dir täglich. Wir haben (aktuell) das Glück nicht in Kriegzeiten zu leben. Wir können uns die Zeit nehmen über den Tod nachzudenken anstatt ihn als alltäglich hinzunehmen. Oft habe ich mir Gedanken gemacht, mir viele Sichtweisen angehört und viele Glaubensrichtungen erklären lassen… Für mich habe ich dadurch folgendes herausgefunden:

Der Tod steht uns allen bevor. Ich selbst habe keine Angst irgendwann sterben zu müssen und sehe den Schnitter Tod nicht als Bestrafung an. Was mir Gedanken macht ist das was ich zurücklassen werde. Vielleicht der Gedanke nicht fertig geworden zu sein oder mich nicht verabschieden zu können. Große Träume und Ziele habe ich nicht. Ich bin auch nicht unersetzbar. Aber ich will, bis zu dem Zeitpunkt an dem es für mich soweit ist zu gehen, die Welt verbessert haben. Leben in einer Matrix-Welt, Wiedergeburt, Himmel, Hölle, Reinkarnation, Klonung, Cyber-Gehirne und -Körper. Ich gehe davon aus nur einmal zu leben und dieses eine Mal will ich nicht verschwenden. Wenn ich das Beste aus meinem Leben mache, für mich, für meine Mitmenschen, auch für den Planeten, dann habe ich keine Angst.

Zu den drei Bildern, die ich euch nun noch zeigen möchte, geht es hier entlang zur Galerie oder wie immer über das kleine quadratische Bild oben rechts in der Ecke. Danke, dass du die Zeit hattest hier vorbei zu schauen. Schauen wir mal was ich mit diesem thematischen Ende anfangen und von nun an bloggen werde.

Post Scriptum

Weitere Bilder dieses Krematoriums könnt ihr im Blog von SL-Punkt finden, der schon im April dazu bloggte: SL-Punkt – Krematorium. Schaut rein!

Eine vertonte Form des Volksliedes „Schnitter Tod“ interpretiert durch die Band ASP


Die Reste der Selbstständigkeit

Die vorletzte Location der OUT2013 war über einen ganzen Ort verteilt. Dort besuchten wir drei alte Tuchfabriken, die, wie wir schon wussten, nur noch aus verlassenen und leeren Gebäuden bestanden. Es gab keine Maschinen mehr, keine Tücher oder Stoffe und keine alten Dokumente. Alles was blieb war die Geschichte der Unternehmer ihrer Angestellten, die einst ihre Existenz auf diesen Hallen begründeten.

Einst waren hier jahrelang Webstühle, Spindelmaschinen, Farbkessel, Nähmaschinen und Tuchpressen im Einsatz. Bedient wurden sie von fleißigen Frauen und Männern. Auch wenn schon viele Arbeitsgänge durch Maschinen unterstützt wurden, war es noch immer eine anstrengende Arbeit. Vor allem war sie Laut. Stelle dir eine Halle voller Maschinen vor, die unentwegt rasseln, rattern, poltern und klappern. Stelle dir dutzende Nähmaschinen in einer großen, schallenden Halle vor. Als kleine Hilfestellung hier der Klang eines älteren Exemplars : Nähmaschine bei AudiYou.de

In Deutschland ist es Tradition zu exportieren. Warum sollte man sich nur auf Produkte beschränken, wenn man auch ganze Firmen outsourcen kann? Einige der Fabriken, die wir besuchten, konnten schlichtweg dem Konkurrenzdruck nicht standhalten. Andere Firmen wurden ins Ausland verlagert oder an internationale Investoren verkauft, welche dann ebenfalls alle Maschinen und ein paar Mitarbeiter mit ins Ausland genommen haben. Dies beschränkt sich nicht nur auf diese Tuch- und Stofffabriken. So passierte und passiert es überall in Deutschland. Es ist bei uns aber auch Tradition, Traditionen aufrecht zu erhalten. So kommt es, dass nicht alle Firmen abgewandert sind. Es fand, nüchtern betrachtet, eine wirtschaftliche Evolution statt. Nur die „Stärksten“ überleben. Und was Stärke genau bedeutet, lässt sich oft erst später erkennen.

Es ist traurig. Aber der Bürgermeister lässt sich trotz Abwanderung und den Rückgang der Textilindustrie nicht unterkriegen. Heute ist die ehemalige Textilmetropole eine Rosenstadt, besitzt ein Museum zum Thema der Textilverarbeitung und das Stadtbild sieht weitgehend gut und frisch aus, auch wenn noch viel in Planung ist. Der Ort lädt zum Erinnern und Träumen ein. Ich brauche dir nicht vorenthalten wie der Ort heißt. Es geht um  Forst (Lausitz). Bei DRadio.de gibt es einen schönen Bericht, den sich Interessierte gern durchlesen oder auch anhören (19:47 Minuten) können. Er ist wirklich empfehlenswert! Was ich dir nicht sagen kann ist, welche Firmen wir besuchten. Dieses Detail ist schon in Vergessenheit geraten. Aber hinfahren werde ich bestimmt noch einmal.

Um alle Fotos anzuschauen musst du wieder zur  Galerie surfen. Das geht auch über das kleine quadratische Bild oben rechts in der Ecke. Vielen Dank an dich, dass du die Zeit hattet hier vorbei zu schauen! Ich weiß noch nicht, ob der nächste Beitrag die letzte Location der OUT sein wird oder vielleicht wieder ein spontaner, anderer Beitrag. Bis bald auf jeden Fall.


Elektronenfluss

Weiter geht es mit der OUT2013 und mit einer Location, die ich schon mit Sound of electricity angekündigt habe. Es ist ein stillgelegtes Kohlekraftwerk in Deutschland und mittlerweile schon das fünfte dieser Art, das wir besucht haben. Nachdem wir einen Eingang fanden, packten wird die Kameras aus und teilten uns auf ohne Zeit zu verschwenden. Schon von außen sah es riesig und sehr imposant aus. Das Erste was ich feststellen musste war, dass sich in diesem Kraftwerk wieder (nur) Rohre, Schaltschränke und Brennkammern befanden.

Also wurde vom Erdgeschoss auf eine höhere Ebene gewechselt. Angekommen auf der Ebene der Turbinen ebenfalls Ernüchterung, Turbinen, wie erwartet. Doch etwas war anders als in anderen Kraftwerken. Hier gab es insgesamt 14 Turbinen. Ein Dutzend davon brachte jeweils 210MW in das Stromnetz, die zwei restlichen jeweils 500MW. Diese Turbinen waren größtenteils noch an ihrem ursprünglichen Einsatzort. Ganz im Gegensatz zu dem stillgelegten Kohlekraftwerk Vockerrode etwa, in dem es in der Turbinenhalle nur noch große Löcher und viel ‚Nichts‘ gibt. Eine 600m lange Halle jedoch vollgestellt mit großen Anlagen, schmutzig, aber dennoch nicht heruntergekommen. Jede Location bietet dir doch immer wieder etwas neues. Ich würde diesen Ort so beschreiben: Gigantisch, unfassbar groß und wahnsinnig beeindruckend.

Es waren zahlreiche Turbinengehäuse geöffnet. Einige waren leer, in anderen wiederum lagen die Axialturbinen still und regungslos. Sie haben jahrelang ihren Dienst zuverlässig verrichtet und für uns Elektronen in Bewegung gesetzt. Wie der Reifen eines Fahrrads den klassischen Dynamo antreibt, so bewegten diese beeindruckenden Stücke des Maschinenbaus und der Strömungslehre riesige Generatoren. Dabei wurden zu Spitzenzeiten bis zu 50.000 Tonnen Braunkohle täglich verfeuert. Das Grundig Stadion in Nürnberg ist ein Fußballstadion, das 50.000 Zuschauer fassen kann. Wenn jeder Besucher eintausend Kilogramm Braunkohle mitbrächte, könnte man einen Tag lang Strom aus der Steckdose bekommen. Täglich mussten 50.000 Tonnen Kohle aus der Erde geschürft und gekratzt werden. Es ist unvorstellbar.

Nachdem die Turbinenhalle, die sich im Aufbau etwa alle 40m wiederholte, ausgekundschaftet war ging es noch höher hinauf. Gute 300 Stufen. Dort, 65m hoch über dem Boden, ist dann das letzte Bild dieser Galerie entstanden. Ich wünsche viel Spaß mit diesem Koloss der ehemaligen DDR.

Zur kompletten Galerie geht es wieder über das kleine quadratische Bild oben rechts in der Ecke oder über den Link etwas weiter vorn im Satz. Vielen Dank an dich, dass du die Zeit hattet hier vorbei zu schauen! Innerhalb einer Woche könnte es den nächsten Beitrag geben. Schau mal wieder vorbei.


The Chapel

Es ist Ostersonntag 8:00 Uhr in Cottbus. Wieder machen sich fünf Fotografen auf die Socken um wenigstens einmal im Jahr eine Kirche zu besuchen. Nach gut 2,5 Stunden im Schneckentempo erreichen sie endlich ihr Ziel. Doch als sie die Kirche betreten, ist diese schon leer und verlassen. Offenbar kamen wir circa 20 Jahre zu spät.

Die Fahrt zur Kirche war nervraubend. Ab der polnischen Grenze konnte man auf der Autobahn nur noch durchschnittlich 60km/h fahren. Klischee hin oder her, die Fahrbahn mit Fahrtrichtung ins Landesinnere war mies. Hätten wir uns Martini mitgenommen wäre das alles kein Problem gewesen. Wir wurden geschüttelt und als wir den dicken „HeidePark-Wumbo“ am Rande der Autobahn stehen sahen waren wir von dem Stückchen Heimat auch ein bisschen gerührt. Gut, wir haben gedacht er wurde geklaut. Aber, die Werbestrategie ungefähr 500 km vom Veranstaltungsort entfernt Werbung zu machen, war für uns nicht so ganz offensichtlich.

Wir parkten vor der Kirche und betraten sie demütig. Das bedeutet in diesem Fall, dass wir durch ein kleines Loch am Boden kriechen mussten. Außen sah sie ganz „normal“ aus, ein kleiner Glockenturm, nichts Auffälliges. Im Inneren habe ich ein Becken mit Weihwasser gesucht um mir die Hände waschen zu können, nur war da keins. Also gingen wir weiter ins innere und enterten das Kirchenschiff. „Arrrrr, hier sind die Ungläubigen.„, haben wir gerufen. „Wenn es noch irgend einen Gott interessiert was wir hier machen soll er ruhig mal herkommen!„, ging es weiter. Aber anstelle eines Gottes kam nur ein polnischer Landmann und seine Freundin durch das selbe Loch in die Kirch geklettert. Die beiden konnten uns leider kein Wunder daherzaubern und so mussten wir uns doch mit der Architektur beschäftigen.

Diese war, ich sage mal, ungewöhnlich. Zumindest, wenn man in Deutschland aufgewachsen ist. Multikulti ist selbst heute noch nicht so unser Ding. Und deshalb war ich sehr verwirrt als ich in dieser Kirche stand. Es fehlte an den Eingängen das Weihwasser, es gab keinen Altar, keine heiligen Figuren an den Wänden und keinen Platz für Fürbitten. Als Atheist, der jahrelang katholischem Religionsunterricht beiwohnen musste, fühle sich diese Kirche komisch an. So unfertig. Es gab keinen der typisch-markanten Punkte. Ich wusste nicht was ich tun soll, keine Muse hat mich geküsst und kein Erzengel hat mich gestraft. Somit blieb es mir nur noch übrig mich tatsächlich auf die Architektur zu stürzen.

Erst im Nachhinein wurde mir klar: Das war niemals eine christliche Kirche. Es gab Ränge auf zwei Etagen, mit Holzgittern vom Kirchenschiff abgetrennte Bereiche und keine Sitzreihen. Wir Fotografen hatten uns pauschal darauf geeinigt, dass es wohl eine orthodoxe Kirche sei… Als ich meiner Oma davon erzählte kam ihr das alles recht bekannt vor. Sie erinnerte sich einen ähnlichen Ort bei einer Städtereise in Prag besucht zu haben. Dieser Ort war eine jüdische Synagoge. Jetzt wurde mir so einiges klar und plötzlich wirkte die „Kirche“ auf meinen Fotos nicht mehr unfertig, sondern wunderschön.

Sollte ich als Deutscher ein schlechtes Gewissen verspüren, wenn ich über Juden spreche? Sollte ich ein schlechtes Gefühl dabei haben, einen ihrer heiligen Orte betreten zu haben? Sollte ich vorsichtshalber ein Wort der Entschuldigung niederschreiben und um Verzeihung bitten? Die Antwort lautet Nein. Wozu auch? – Wem hilft es? Wem schenkt es Trost? Das Einzige was ich hier klarstellen muss ist, dass wir alle zusammen weiter daran arbeiten sollten Deutschland von seiner hartnäckigen braunen, nationalsozialistischen Kruste zu befreien, damit der leckere, cremige und weltoffene Kern dieses Landes (noch besser) zum Vorschein kommt.

Diesmal ist der Text fertig bevor ich auch nur ein eiziges Foto angefasst habe, daher weiß ich noch nicht was euch erwarten wird. Wie ihr zur Galerie kommt wisst ihr ja nun bestimmt schon. Ich bedanke mich recht herzlich, dass ihr, das du dir die Zeit genommen hast deine Badehose oder deinen Bikini einzupacken und hier vorbei zu surfen. Viel Spaß beim genauen hinschauen. Bis Sonntag.