Landschaftsfotoarchitektur – Fotoblog

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Gepäck im Bernsteinzimmer – Schottland (Tag 10/10)

Nördlich von Perth wurde, nicht weniger als der Sagenhafte Scone Palace, der Kröningspalast, auserkoren unser letztes Fotomotiv zu sein. Er ist nur eine Autostunde vom Flughafen Edinburgh entfernt und trumpft mit einer unübertrefflichen Geschichte auf. Eine Geschichte, so unglaublicher und weltbewegender Ereignisse, die ich mir vor lauter Staunen nicht merken konnte. So erstaunlich war sie.

Hier wurde nicht nur der Krönungsstein aufbewahrt (in Schottland!), sondern auch King Arthur’s Schwert! Heute ranken sich viele Gerüchte um den Stein, auf dem nur der rechtmäßige König gekrönt werden kann. Es sind Gerüchte, denn der Stein wurde fort gebracht… Man spürt meine Begeisterung und die Bedeutung dieses Ortes sicher so intensiv, als würden tonnenschwere Gewichte an den Augenlidern ziehen. Richtig gespürt! Denn im Palast herrscht ein striktes Fotoverbot. Dafür sind unzählige Schautafeln und Flyer ausgestellt, die, wenn man nicht genug Interesse zeigt (weil man ja eigentlich noch einen Flug erwischen muss), von hochmotiviertem Personal fast schon emotional behütet und deren immense Bedeutung erläutert werden.

Aber das Gelände, Entschuldigung, das Anwesen des Palastes, sucht seines Gleichen! So ein Pech nur, dass Halloween vor der Tür steht und überall Kürbisse, Bettlaken und bunte Scheinwerfer aufgestellt sind, wie vor einem schlechten Spukhaus auf der Kirmes. Wohin man schaut, Zeug. Zeug, Absperrungen und Kabel. Die weitläufige Parkanlage bot zu dem Zeitpunkt hier und da etwas Abwechslung, doch kein entkommen. Selbst das berühmte Scone Palace Maze (ein Irrgarten, kein Labyrinth) war für die Vorbereitungen der Gruselnacht abgesperrt.

Warum wir uns von dem Palast so viel versprochen haben, verlinke ich [HIER]. Es ist die offizielle Galerie des Palastes. Nun aber schnell noch etwas essen, das Auto bis 15 Uhr beim Leihwagenservice abgeben und ab in den Flieger nach Amsterdam, umsteigen in den Flieger nach Hannover und schon sind wi – Wo sind die Koffer? … -_- … Danke KLM!

Die Verbindung Hannover – Edinburgh (über Amsterdam) ist ein Spießrutenlauf! Auf dem Weg _hin_ hatten wir 45 Minuten Umsteigezeit, zurück 35 Minuten. Es lässt sich im Nachhinein kaum ermessen, doch in dieser Zeit muss man von der Landebahn überhaupt erstmal in den Flughafen gelangen, ca. 3-4km Strecke mit seinem Handgepäck zurücklegen, hoffentlich in keine verdachtsunabhängige Kontrolle kommen und es rechtzeitig zum richtigen Terminal schaffen, um doch hoffentlich gerade so als Letzter einzuchecken. Ein ideales Fitnessprogramm für alle, die gerne Reisen und ein paar Kilos loswerden wollen (damit meine ich gerade nicht die Koffer).

Ist die Reise das alles wert? Die Reise das alles wert! Hier noch einmal alle Fotos an einem Ort

Mit auf der Reise war übrigens SL-Punkt (dessen Blog immer links in der Leiste zu finden ist). Ich bin schon gespannt, wann wir Schottland aus seinen Augen heraus bestaunen können. Sobald es soweit ist, werde ich auch hier darüber Informieren. Das darf sich niemand entgehen lassen!

Danke und bis bald. Ich würde mich freuen, wenn der Blog weiterempfohlen werden würde 🙂


Schwarzbraun ist die Kuh, doch weiß ist ihre Milch – Schottland (Tag 9/10)

Im vorherigen Beitrag philosophierte ich noch über Menschenhandgeschaffenes und die Natur. Heute geht es um Mensch und Tier. IN SCHOTTLAND!

Unsere Geschichte beginnt vor etwa 13000 Jahren. Damals gab es die Erde schon mit all ihren Menschen, Tieren, Pflanzen und so weiter. Bevor Gott die Welt also erst erschaffen musste, hatte er/sie/es noch 7000 Jahre Zeit ein Nickerchen zu halten und auf den perfekten Moment zu warten.

Damals jedenfalls begannen (nach heutigem Stand der Kenntnisse (2020)) die ersten Menschen damit Tiere zu domestizieren. Die Vorteile lagen klar auf der Hand: Erleichterung der Arbeit durch die Kraft der Tiere, Nahrung durch Milch, Fleisch und Dünger der Tiere, Kleidung aus dem Fell der Tiere und Ruhe, weil die Tiere damals sicher auch schon angenehmere Begleiter waren als so mancher Quatschkopf, Dummschwätzer und Wichtigtuer – Das ist heute vermutlich noch immer so..

Doch was blieb davon bis heute erhalten und ist eben nicht auf Fließbandproduktion umgestellt worden? Schafe! Von den vielen Schafen und ihren entfernt verwandten Haggis-Tieren habe ich bereits berichtet. Schafe haben wir mittlerweile genug fotografiert. Darum gibt es heute keine zu sehen. Dafür habe ich hier ein schönes Foto von der Whisky Destille Glen Livet. Diesen Whisky kann ich nur wärmstens empfehlen, wenngleich es (wie so häufig) bessere Geheimtipps gibt, als auch die neuesten Marketingkreationen, die mit allem, nur nicht ihrem Geschmack glänzen.

Rindviecher! Davon gibt es die üblichen schwarz-weißen Milchspender als auch wuschelig, zottelige Pelzbiester. Beiden gemein ist ihre Genügsamkeit, als auch ihr friedliches Wesen.
Großartige Tiere sind das und so schmackhaft noch dazu, egal welche Farbe oder wie viel Fell sie haben! Klar, die eine Kuh gibt das bessere Steak, eine Andere den perfekten Burger Pattie und noch eine Andere gibt die leckerste Milch, aber unverzichtbar sind sie alle! Ich würde nicht in einer Welt leben wollen, in der es nur die ollen Milchkühe gibt. Vielfalt macht den Unterschied PUNKT

Wild! Manches Wild ist gar nicht mal so wild und Manches ist schon tot. Während das meiste Wild in Deutschland durch Autos und die viel schlimmeren Fahrradfahrer ums Leben kommt, ist die Ursache in Schottland häufig ein starker Regen. Ein sehr schneller, horizontal fliegender Regen aus Schrotkugeln. Das nicht ganz so wilde Wild lebt gerne in der Nähe von Jagdschlössern. Dort gibt es viel zu fressen, viel Auslauf und keine Raubtiere. Selbst Wild weiß etwas Luxus zu schätzen.

Unsere Gruppe von Tierwohlkundschaftern kann zweifelsfrei bestätigen, dass es in Schottland wenig Massentierhaltung gibt, dass sich Wild freiwillig in der Nähe von Jagdanwesen aufhält und dass die Welt in Schottland noch in Ordnung ist.

Zufrieden mit dieser Feststellung konnten wir ruhigen Gewissens in unsere lestzte Bleibe für diesen Urlaub einkehren. Auf dem Weg dorthin genossen wir den Farbenprächtigen Sonnenuntergang und hinterher ein kühles Blondes.

Von der Unterkunft selbst möchte ich nicht berichten. Sie war von der Kategorie .. günstig. Mehr nicht. Sie lag weit ab vom Schuss, das Essen war genießbar, hatte mit Genuss aber nichts zu tun und das Dach über dem Kopf war dicht. Das Vierbettzimmer war rustikal eingerichtet, roch merkwürdig, das große Doppelbett quietschte ohrenbetäubend, selbst wenn man nur den kleinen Zeh bewegt hat und das Badzimmer .. Alle Armaturen auf Kniehöhe, die Einrichtung hat damals König Arthur persönlich bestimmt, damals gab es noch keine Dusche und der Wasserhahn der Badewanne war ein altes Telefon (nicht so Eins mit Wählscheibe, sondern so Eins, das beim Abheben direkt zur Vermittlung durchstellt).

Gut. Vergessen wir die Unterkunft ganz schnell und freuen uns auf den letzten Beitrag über Schottland. Am letzten Tag haben wir noch den ganzen Vormittag frei zur Verfügung. – Nicht vergessen auf eines der Fotos zu tippen/klicken, dort geht es zum vollständigen Album.


Über sieben Brücken musst du gehen – Schottland (Tag 8/10)

Kontaktsperre, 100 Meter lange Schlangen vor der Grillfleischtheke, Schreibblockade. Mittlerweile haben wir Juni, womit die Reise nach Schottland acht Monate her ist.

Pfingsten ist gerade vorüber. Vatertag (aka. Christi Himmelfahrt) fühlt sich schon recht weit weg an, Ostern sehr weit und der Beginn der Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland (Mitte März) ist schon zu lange her. Schottland… Dort hätte ich auch vor 5 Jahren gewesen sein können, so lange ist es her.

Schreibblockade. Schreibblockade? Hier soll es doch um Fotos gehen. Fotos und ein paar Worte über die Reise! Tag 8: Wir befinden uns am Loch Ness und im Cairngorns National Park. Auch in dieser Gegend ist es meist das Wasser, dass die Landschaft und die Fotomotive prägt.

Wo in Schottland Wasser ist, da sind auch Brücken und Felsen nicht fern. So liegt der Reiz eines Motivs manchmal in der Natürlichkeit der Natur selbst. Kein Bauwerk und nichts von Menschenhand Geschaffenes soll ein solches Foto verschmutzen.

Ein anderes Mal ist es gerade das, das künstlich erschaffen wurde, was den Reiz einer Szenerie ausmacht. Die Natur gibt den Bauwerken bestenfalls einen schönen Rahmen, um das unnatu(e)rliche hervorzuheben.

Eine besondere Wirkung ergibt sich, sobald sich Natur und Künstliches ergänzen. Wenn sie genau im richtigen Gleichgewicht sind, ist keins von Beiden fehl am Platz. Keins von Beiden wirkt störend, das Gegenteil ist sogar der Fall. Wie eine Priese Salz und Pfeffer ein saftiges Steak begleitet, so kann ein kleines Häuschen inmitten der Natur dafür sorgen, dass die Natur noch natürlicher erscheint.

Harte Grenzen oder richtig und falsch gibt es zum Glück nicht, wenngleich schön oder weniger schön eine andere Frage beantworten können. So kann eine Priese Natur, die sich auf dem künstlich Erschaffenen ansiedelt, zum Begleiter wie Salz und Pfeffer werden.

Mit den letzten Worten erinnere ich mich an die Anfänge meiner Fotografie zurück, die ‚Urban Exploration‘, das Besuchen von ‚Lost Places‘. Orte an denen einst reges Treiben herrschte, die heute jedoch verlassen, vergessen und verwildert sind. Auch hier war es die kleine oder große Priese Natur, die die künstlichen Bauten so interessant gemacht hat.

Ein paar alte Urbex-Beiträge

Die Schreibblockade ist passé. Ob eine Fotoblockade, eine beinahe chronische Unlust und Unzufriedenheit mit seiner Fotografie auch ‚einfach so‘ aufgelöst werden kann, wie eine Schreibblockade? Bestimmt, warum nicht? Ich besinne mich auf das was ich grundlegend erreichen will und nicht auf das, dem ich gerecht werden will. So komme ich ungezwungen und ohne künstlichen Druck ans Ziel.

Danke fürs Vorbeischauen. Bald ist die Reise geschafft. – Nicht vergressen auf eines der Fotos zu tippen/klicken, dort geht es zum vollständigen Album.


Schottlantis – Schottland (Tag 7/10)

Bisher schien uns das schottische Wetter gewogen zu sein. Doch heute zeigt es sich von seiner wahren Seite. Die Gastfreundschaft ist vorüber, das Wasser kommt von allen Seiten.

Einst, vor langer Zeit, war ein Ingenieur im Urlaub in Schottland. Er reiste dort hin, wo wir heute auch hinwollten, zu den Fairy Pools. Dort küsste ihn die Muse für eine neue Erfindung und sie küsste feucht und schlabberig, wie es deine Tante machte, als du ein Kind warst. Zurück daheim erfand er den Kärcher und gründete die gleichnamige Firma.

Starke Winde waren uns ja nun schon bekannt. Wenn diese mit Wasser kombiniert werden helfen da nur noch ‚Hard Shell‘ Regenjacken und Hosen, nicht diese dämlichen Müllsack-Regenponchos, keine Soft Shell Regenklamotten und keine hippen gewachsten Fjällräven Klamotten.

Nicht falsch verstehen. Diese gehypten, schwedischen Hosen waren für die vergangenen Tage super angenehm, bequem, luftig, nicht zu warm oder zu kalt und fast sogar ihr Geld wert. Aber wenn man damit abgekrächert wird, reicht die hippigkeit eben nicht aus um trocken zu bleiben. Da kann die Hose gerne 10x so schnell abtrocknen als Andere, solange es nass bleibt, bleibt man nass.. und dann wird es schnell kalt.
Apropos: Warum alle Welt mit diesen fuchsigen Einkaufsbeutel-Rucksäcken herumläuft, die irrsinnig teuer sind, verstehe ich überhaupt nicht. Warum sieht man die Dinger vor allem in der Stadt als Shopping-Accessoire oder als Rucksack von Schülerinnen und Studentinnen? (Es tut mir leid, aber das scheint eindeutig ein Frauen-Ding zu sein.) Das ist wie mit ‘nem Jeep oder SUV in der Stadt unterwegs zu sein. 😜

Reisetipp 17: Wenn jemand in eurer Reisegruppe schlechte Laune bekommt, dann ist bald die ganze Gruppe betroffen.
Als nach unserem Besuch der Fairy Pools meine Hose dann nach ein paar Stunden wieder halbwegs trocken war, verbesserte sich meine Laue wieder.. Das Wetter jedoch nicht.
Motivationstipp 25a: Schlechtes Wetter bringt dramatische Wolken mit sich.

Um dem Wetter zu entfliehen, verließen wir kurzer Hand (weil es eh schon so geplant war) die Isle of Skye im Westen Schottlands. Das Ziel stand noch nicht fest, doch es verschlug uns am Ende des Tages in den Osten Schottlands nach Inverness. Ein idealer Ausgangspunkt für den kommen Tag, Loch Ness und den Nationalpark in der Speyside.


Ein Mann ohne Frau und Kuh – Schottland (Tag 6/10)

Ein neuer Morgen, ein neues Ziel. Heute wartet der alte Mann auf uns. Er wartet schon lange.

Noch vor dem Frühstück statten wir dem Hafen einen Besuch ab. Doch viel gibt es an diesem Fährhafen nicht zu sehen. Das ist die Gelegenheit den ruhige Zeit des Morgens ebenso lange zu fotografieren, wie wir diesen Moment genossen haben.

Schottland ist nicht groß, doch Skye ist noch viel kleiner. So fuhren wir ein paar Minuten und waren plötzlich an der Ostküste der Insel.

Gesäumt von zahlreichen Wasserfällen, führte unser Weg zum alten Mann. Er ist ein Besonderer, der zurückgezogen an einem Hang lebt. Nur wenige Pfade führen hinauf zu ihm. Doch auch diese Strapazen sind es wert.

Sein Name ist Old Man of Storr. Schon aus großer Ferne erkennt man ihn, wie er nördlich von Portree dort thront. Sein Anblick ist unvergesslich und doch vertraut, sieht er doch aus wie ein überdimensionierter Hinkelstein. Doch nicht einmal Obelix könnte diesen 48 Meter großen Koloss heben, da bin ich mir sicher.

So etwas tue ich eigentlich ungern, aber heute muss es einmal sein. Schaut euch im Album bitte das obige Foto genau an und zwar haargenau. Darauf ist eine Person mit roter Jacke zu sehen. Ihr sollt diese Person einfach nur finden 😉

Angekommen beim alten Mann begegnete er uns mit orkanartigen Böen und bald danach mit Regenschauern, die laut Wetterbericht in Dauerregen übergehen sollten. Das Tagesziel war erreicht.


Der Motivkönig – Schottland (Tag 5/10)

Wer stolpert des Nachts über die feuchten Wiesen?
Es sind die Fotografen, sie wollen sich nicht den Urlaub vermiesen;
Sie suchen den Steinkreis schon so früh am Tag,
Sie lassen sich Zeit, der Sonnenaufgang naht.

Du Fotograf, warum so bang das Gesicht? –
Siehst du die Motive denn nicht?
Die Motive so traumhaft und schön? –
Sie sind so zahlreich, drum‘ lass das gestöhn. –

„Du lieber Fotograf, komm, bleib nicht nur hier!
Gar schöne Landschaften zeig ich nur dir;
Manch‘ raue Felsen sind in dem Land,
es legt schon ab sein sommerlich Gewand.“ –

Mein Ego, mein Ego, und gierst du nicht,
was der Insta-Graf mir durchtrieben verspricht? –
Sei locker, bleibe locker, du Fotograf;
Das Verlangen der Likes so Manchen schon straf. –

„Wollt, feine Grafen, ihr mir nicht einfach folgen?
Die vielen Likes sollen euch pushen ganz schön;
Die Likes, sie lassen euch Erfolgreich sein
und schmeicheln und loben und säuseln euch ein.“ –

Ihr Freunde, ihr Freunde, und seht ihr nicht dort
die Berge am einsamen Ort? –
Oh Mann, oh mann, das kann doch nicht sein:
Über uns bricht dramatisches Wetter herein. –

„Alle lieben dies Land, es ist ein Genuss;
Und ist es zu willig, so wuchert Tourismus.“ –
Oh nein, oh nein, jetzt ist es zu spät!
Die vielen Menschen haben ihr Unheil gesäht! –

Den Fotografen grauset’s: Sie sorgen sich sehr,
Der Verschmutzung entgegen setzen sie sich zur Wehr,
Ein Jeder macht mit, mit Mühe und Not;
Die Erde ist wertvoll, denn sonst ist sie tot.


Auf der Durchreise – Schottland (Tag 4/10)

Jede Minute ist wichtig. Kein Lichtstrahl soll verpasst werden, denn jeder Einzelne ist einzigartig. Raus aus den Federn! Es sind nur ein paar Minuten Fußweg bis zum Wasser und zur Fähre.

Die blaue Stunde erhellt den Weg, doch es ist dunkler als es sein sollte. Wo die Sonne aufgehen wird, sind Berge. Wo die Berge aufhören, sind Wolken. Wir müssen mit der Fähre übersetzen. Es wird sich lohnen.

Das Frühstück bei Andy war anständig, das Auto ist beladen. Heute Abend wollen wir auf der Insel Skye ankommen. Dafür müssen wir einen Wald, einen Wasserfall, eine Ruine, viel Landschaft, einen See und eine Burg passieren.

Der Wald ist eindrucksvoll, doch nicht das Ziel. Eine Wasserfallkaskade lockt die Fotografen mit ihrem dröhnenden Rauschen aus der Ferne.

Am Fuße des Ben Nevis finden wir einen Ort zu Rast. Alte Mauern erzählen hier Bruchstücke der Vergangenheit, die sich kaum erahnen lässt. Selbst die letzten Spuren vergangener Tage sind schon verwittert und eröffnen den Raum für unsere Fantasie.

Loch Oich, der See der sein Geheimnis vor uns verbirgt. Wie kam dieses Boot, fast schon ein Schiff auf diesen See? Wie lautet der Name dieses gestrandeten Vehikels und warum wurde es sich selbst überlassen?

Beinahe wie Fjorde, entstanden während einer der vier Eiszeiten, Ragen große Landmassen ins Nordmeer und das Nordmeer ins Land. Umspült von Meerwasser, aber dennoch nicht am Meer gelegen sind hier viele Buchten und Burgen. Wasser ist allgegenwärtig, auch wenn es mal nicht regnet.


Wir sind gleich da – Schottland (Tag 3.2/10)

Es ist schon 15 Uhr, beziehungsweise 3PM. Klar, Schottland liegt in einer anderen Zeitzone als Deutschland. So langsam sollte eine Unterkunft für die Nacht gebucht werden. Die Internetverbindung steht, vier Handys haben noch genügend Saft und wir haben beschlossen, dass wir noch etwa 20 Meilen (so langsam gewöhne ich mich an diese imperialen Maßstäbe) schaffen werden. Onich oder Corran wird das Ziel.

Booking.com zeigt auf jedem Telefon unterschiedliche Preise für dieselbe Bleibe an. WTF!? Es soll uns egal sein und buchen tut eben derjenige, bei dem das Angebot am günstigsten ist. Die Reise kann entspannt weitergehen. Allen Zweifeln zum Trotz ist es im Herbst tatsächlich sehr einfach spontan eine passende Unterkunft in Schottland zu finden, auch als Gruppe.

„Wenn wir durchfahren, sind wir in 30 Minuten beim B&B.“ Das Auto folgt der Straße. Es hält an. Die Insassen steigen aus. Klick, klack. Das Auto füllt sich und fährt weiter.

„Wenn wir durchfahren, sind wir in 26 Minuten beim B&B.“ Das Auto folgt der Straße. Es hält an. Wir steigen aus. Klick, klack. Das Auto füllt sich und fährt weiter.

„Wenn wir durchfahren, sind wir in 21 Minuten beim B&B.“ Das Auto folgt der Straße. Es hält an. Wir steigen aus. Klick, klack. Das Auto füllt sich und fährt weiter.

Es beginnt zu dämmern, 5PM. „Wenn wir durchfahren, sind wir in 15 Minuten beim B&B.“ Da wir nur noch drei Stunden haben um einzuchecken, entschließen wir uns nicht mehr so häufig anzuhalten und zum B&B durchzufahren. Das Auto folgt der Straße. Es hält an. Wir steigen aus. Klick, klack. Das Auto füllt sich und fährt weiter.

Jetzt sollten wir aber wirklich weiterfahren! Die goldene Stunde setzt ein und taucht die ohnehin herbstlich gefärbten Berghänge in ein warmes Licht. Zu allem Unglück führt unsere Route durch zugewucherte Straßenzüge, in denen es unmöglich ist die märchenhafte Stimmung einzufangen, Glück gehabt.

Andy begrüßt uns wie ein langjähriger Freund. Er zeigt uns die Zimmer, lässt uns mit unseren dreckigen Stiefeln über weiße Teppiche laufen und empfielt uns den Pub. Mit Pale Ale, Stout und Haggis neigt sich der Tag seinem Ende entgegen. 20 Meilen in etwas mehr als drei Stunden, wer hätte das gedacht?


Von ganz unten nach ganz oben – Schottland (Tag 3.1/10)

Eines finsteren Morgens machten sich drei Gestallten auf ihren Weg, während die letzte Person unserer Gruppe im Bett geblieben ist. Ihr Ziel war ein Loch. Nun befanden sich die Hobbyfotografen in einem Land, in dem es viel und ausgiebig regnet, sodass viel Wasser von den Berghängen ins Tal läuft. Zum Glück waren da diese ‚Löcher‘, denn diese fingen all das viele Wasser auf. Löcher in Schottland können so viel Wasser ansammeln, dass man ihre Ränder sogar Ufer nennen und mit Booten über sie fahren kann.

Ein schottisches Loch ist also ein See und manchmal ein sehr großer See. Einige sind noch viel größer als das Steinhuder Meer, das gar kein Meer, sondern auch ein See ist. Schön ist es an so einem Loch, dachten sich die Hobbyfotografen und machten ein Foto davon. Dass es schön sei an so einem Ort zu wohnen, dachte auch ein reicher Mann um 1800 und ließ eine Burg erbauen. Da er selbst beim Bau nicht geholfen hat, wurde ihm schnell langweilig und selbst seinem Garten war er bald überdrüssig. So zog er bald wieder aus und die Burg stand leer. Ihm fehlte die Wertschätzung für seine Burg. Nicht einmal Feinde hatte er, gegen die er seine Burg verteidigen konnte.

So verloren auch die Fotografen die Lust Fotos zu schießen. Nach einem Full-Scotish-Breakfast setzten alle vier die Reise fort. Sie fuhren entlang des wunderschönen Loches, dessen Name Loch Lomond war, bis sie einen Wasserfall fanden. Wenig kreativ, nennen die Schotten ihre Wasserfälle „Falls“, sodass nun dieser den Namen „Falls of Falloch“ trug.

Das Auto mit den Reisenden fuhr weiter und in Richtung der nördlichen Ländereien. Norden ist auf der Karte oben und „oben“ ist im Englischen „high“. So wussten die Reisenden, ihr Weg führte sie in die Highlands.

Berge türmten sich entlang der Straßen auf. Manche so hoch wie Kirchtürme, andere so hoch, dass sie sich in den Wolken verstecken konnten. Ihre Form war rundlich, wie ein dicker, unförmiger Bauch und ihre Täler waren karg. Der Herbst hatte so manche Mühe alle Stellen zu erreichen. Da wurden die Hobbyfotografen neugierig, wie schwer es wohl sei, vom Tal aus, einen Berg zu erklimmen. Kurzerhand hielten sie in einer Gegend namens Glencoe an, in der ein Wasserfall von einem Berg herunterfloss. Sie fanden heraus, je höher sie kletterten, desto anstrengender wurde der Weg.

Und der Berg war gemein. Er behielt den Wasserfall für sich und versteckte ihn hinter hässlichen Büschen und Sträuchern, die die Hobbyfotografen nicht fotografieren wollten. So stiegen sie den Berg wieder hinab und beratschlagten sich in einer Herberge. Wie es wohl weitergeht? Das erfahren wir erst der nächsten Geschichte.


Memento Alba – Schottland (Tag 2/10)

Aufgewacht. „Wo bin ich“? Ein Apartment in Edinburgh. Ein cooles und gut gelegenes Apartment. Nichts in den Schränken, keine Koffer. Ich gehe ins Bad. Eine Zahnbürste. Nicht meine, oder doch? Gestern Abend haben wir noch Zahnbürsten gekauft. Es knarzt auf dem Flur. „Moin! Wir haben Instant-Kaffee gefunden, er ist schon fertig.“ Warum habe ich noch immer dieselbe Unterhose am Körper wie gestern? Keine Koffer. Ich verlasse das Zimmer. „Und?“ „In einer halben Stunde können wir anrufen.“ „Wo?“ „John G., der Typ vom Airport. Er wird uns sagen können wo unsere Koffer sind.“ Ich glaube nicht daran.

Wir gehen Frühstücken. Der Kofferkurier weiß eh nicht wo unsere Bude ist, aber er kennt das Office. „Hier, zwei Frühstück für 10 Pfund.“ „Klingt gut.“ Der Laden sieht aus wie ein American Diner. „Good mornin‘, four times full breakfast? Any allergies or intolerances?“ Ich nicke. Die Kellnerin verschwindet, bringt mir ein Tablet und filtert alle Speisen raus, die Weizen einhalten. „Thanks.“ Das Frühstuck ist warm, herzhaft, eine große Portion. Gut. Wir gehen zum Office und fragen nach unseren Koffern. Noch immer nicht da. „Wann müssen wir auschecken?“ „In einer Stunde.“

Ein flüchtiger Blick aus dem Fenster. Ein Transporter hat angehalten, liefert Gemüse. Noch ein Transporter. „Da steht City-Irgendwas drauf! Geht mal einer runter, der könnte die Koffer haben.“ „Yes, I have a lot of baggage.“ Ein roter und ein blauer Koffer, das sind sie. „Sign here please.“ Wir haben unser Gepäck. Rauf, umziehen, runter, auschecken, in die Straßenbahn, den Leihwagen abholen.

„Nein, geben Sie uns den Wagen so wie wir ihn gebucht haben. Ohne extra Versicherung, ohne alle weiteren Extras!“ „Was heißt Kombi auf Englisch? Station-Wagon? Aha.“ „Mach‘ mal Fotos, der hat überall Macken und das Lenkrad ist auf der Beifahrerseite.“ Linksverkehr. Kein rechts-vor-links, kein links-vor-rechts und überall Schafe. „Warum sind hier überall nur Kreisverkehre?“ Kein Stau, kein stocken, alle halten sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung, kein Drängeln. Angenehm.

Das erste Ziel heißt Devils Pulpit. Wo ist das denn nun? Die Schilder helfen nicht. Pulpit.. Pulpit.. Kanzel? Warum geht es da 30 Meter runter? Und wie sind die Leute da unten runter gekommen? Helme, Seile. Naja, das Wäldchen ist auch ganz schön. Ich mache ein Foto. Daran möchte ich mich erinnern.

Es sind noch ein paar Kilometer bis zum nächsten Ziel. „Falsch!, Meilen, Yards, Fuß, und Inches. Das muss sich der Teufel ausgedacht haben.“ Wir steigen in den Station-Wagon ein, schauen auf die Karte, Google-Maps. Die Straßen sind breit. „Rechts abbiegen, links fahren.“ Gut. Die Landschaft ist durchschnittlich. „Linke Spur! Links fahren!“ Die Landschaft lässt zu wünschen übrig. Es wird schon dunkel. Es ist gut für heute. Morgen stehen wir früh auf, vor dem Frühstück.


Eine Reise ohne Koffer – Schottland (Tag 1/10)

Koffer packen, einchecken, umsteigen, ankommen und schon ist der Urlaub vorbei. Aus Gründen der Transparenz soll erwähnt werden, dass es kein Koffer auf der Flugverbindung Hannover-Amsterdam-Edinburgh (KLM) schafft in das Flugzeug der zweiten Etappe verladen zu werden. Reisetipp 75: Wichtiges sollte auf Flugreisen im Handgepäck mitgenommen werden.

Ohne die schweren Koffer am Hacken hinderte uns nichts daran Edinburgh zu erkunden, Glück gehabt! Vom Flughafen ging es mit der Straßenbahn in die Innenstadt, anschließend ca 5 Minuten zu Fuß weiter zur Altstadt. Dass wir richtig waren, konnten wir hören. Nach immerhin 1 Stunde auf schottischem Boden hörten wir jetzt erst den ersten total authentischen und nicht touristischen Dudelsack. Edinburgh, das hat viel zu lange gedauert und muss besser werden!

Eingefangen von der Tourismusmaschinerie folgten wir einfach den Zeichen, die auf Qualität und wahre Sehens-Würdigkeit hinweisen: Chinesische Reisebusse!

Zu sehen gibt es in dieser Stadt allerhand. Gassen, Kirchtürme, Paläste, Straßenzüge, Aussichtspunkte und und und. Dennoch sollte nicht vergessen werden, in dieser Stadt leben und arbeiten Menschen. Daher ist nicht jede Straßenecke eine Empfehlung wert. Dennoch macht man nichts falsch auch ohne Ziel loszustiefeln oder mal nicht den direkten Weg zu gehen.

Am Abend hat uns ein hochgelegener Aussichtspunkt gelockt. Wir hofften von dort unsere verlorenen Koffer zu entdecken. Fehlanzeige, es war schon zu dämmerig. Ernüchtert wendeten wir uns dem fantastischen Sonnenuntergang zu, tranken danach ein Bierchen und ließen den Tag ausklingen.

Zum Album geht es hier entlang oder über eines der Fotos. Ich rate dazu bald wieder hier im Blog reinzuschauen, denn der nächste Beitrag ist nicht weit entfernt. Danke und bis bald.


Ein Pfund Regen im Linksverkehr – London [2016]

Das Hotel ist gebucht, die Oyster Card (für Öffis) ist schon bezahlt und das Taxi zum Flughafen steht bereit. Nichts kann schiefgehen, gar nichts! Aber dann stellt sich heraus, dass man mit British Airways fliegt und sich der Abflug um 2 Stunden verzögert. Ich erspare mir von den Details, wie technischen Problemen, fehlenden Ersatzteilen und unnormalen Triebwerksgeräuschen zu berichten, denn am Ende sind doch alle Lebendig im englischen London angekommen.
Ahhh London. Das erste womit man in England konfrontiert wird, ist die Erkenntnis, dass der Perso nicht der Passport, sondern die ID Card ist. Sowas kann ja mal passieren, wenn plötzlich alle unverständlich daher brabbeln und auf der falschen Straßenseite fahren. Zur Beruhigung sollte man in so einem Moment ein kühles Bierchen (ja!, in England gibt es auch kühles Bier) genießen.

Das Bier hat wie erwartet funktioniert. Als nächstes galt es das Hotel zu suchen, um dort das Gepäck abzuladen. Gesagt, getan. Und jetzt? Mit der Piccadillyline-Underground-Tube ab in die Innenstadt zum Piccadilly Circus (quasi der New Yorker Times Square in klein) und irgendwas essen. Zum Glück für uns ist das genau die richtige Gegend für Streetfoodfestivals und Pubs. Nach der Verköstigung einiger speziell ausgewählter, hiesiger Ales war es dann auch irgendwann Zeit noch etwas Allgemeinverpflegung für das Hotelzimmer bei Tesco (24/7, auch Sonntags) einzukaufen und den Abend ausklingen zu lassen.

Am nächsten Morgen sollte der Urlaub erst wirklich beginnen. Wir haben das Frühstück verschlafen, was, wie sich an den folgenden Tage erst herausstellen sollte, kein all zu großer Verlust sein sollte. Dennoch, die Zeit läuft davon und die Luft war trocken. Wie ein ordentlicher Tourist besucht man natürlich all die bekannten Sightseeing-Hotspots:

Westminster Abbey

House of Lords / Commons / Parliament vor dem ein Löwe auf einem Pferd reitet

und den Dick Ben – Ich glaube der heißt mittlerweile irgendwie anders, aber ihr wisst ja was ich meine.

Der Besuch all dieser alt-ehrwürdigen Gebäude bei prallem Sonnenschein macht, genauso wie die Rekapitulation des Erlebten, durstig. Anstelle nun den gesamten Urlaub auf einmal abzuarbeiten, werde ich diese Aufgabe wohl in drei Teile aufteilen. Der Engländer würde jetzt sagen: I am going to split this trip into three cups of the finest Earl Grey to protect myself from a bloody burnout. Cheers mate!