Erst Licht, dann Strom, dann Emotion | Urbex & Sport Fotoblog by dsgk

Beiträge mit Schlagwort “Cottbus

Die Reste der Selbstständigkeit

Die vorletzte Location der OUT2013 war über einen ganzen Ort verteilt. Dort besuchten wir drei alte Tuchfabriken, die, wie wir schon wussten, nur noch aus verlassenen und leeren Gebäuden bestanden. Es gab keine Maschinen mehr, keine Tücher oder Stoffe und keine alten Dokumente. Alles was blieb war die Geschichte der Unternehmer ihrer Angestellten, die einst ihre Existenz auf diesen Hallen begründeten.

Einst waren hier jahrelang Webstühle, Spindelmaschinen, Farbkessel, Nähmaschinen und Tuchpressen im Einsatz. Bedient wurden sie von fleißigen Frauen und Männern. Auch wenn schon viele Arbeitsgänge durch Maschinen unterstützt wurden, war es noch immer eine anstrengende Arbeit. Vor allem war sie Laut. Stelle dir eine Halle voller Maschinen vor, die unentwegt rasseln, rattern, poltern und klappern. Stelle dir dutzende Nähmaschinen in einer großen, schallenden Halle vor. Als kleine Hilfestellung hier der Klang eines älteren Exemplars : Nähmaschine bei AudiYou.de

In Deutschland ist es Tradition zu exportieren. Warum sollte man sich nur auf Produkte beschränken, wenn man auch ganze Firmen outsourcen kann? Einige der Fabriken, die wir besuchten, konnten schlichtweg dem Konkurrenzdruck nicht standhalten. Andere Firmen wurden ins Ausland verlagert oder an internationale Investoren verkauft, welche dann ebenfalls alle Maschinen und ein paar Mitarbeiter mit ins Ausland genommen haben. Dies beschränkt sich nicht nur auf diese Tuch- und Stofffabriken. So passierte und passiert es überall in Deutschland. Es ist bei uns aber auch Tradition, Traditionen aufrecht zu erhalten. So kommt es, dass nicht alle Firmen abgewandert sind. Es fand, nüchtern betrachtet, eine wirtschaftliche Evolution statt. Nur die „Stärksten“ überleben. Und was Stärke genau bedeutet, lässt sich oft erst später erkennen.

Es ist traurig. Aber der Bürgermeister lässt sich trotz Abwanderung und den Rückgang der Textilindustrie nicht unterkriegen. Heute ist die ehemalige Textilmetropole eine Rosenstadt, besitzt ein Museum zum Thema der Textilverarbeitung und das Stadtbild sieht weitgehend gut und frisch aus, auch wenn noch viel in Planung ist. Der Ort lädt zum Erinnern und Träumen ein. Ich brauche dir nicht vorenthalten wie der Ort heißt. Es geht um  Forst (Lausitz). Bei DRadio.de gibt es einen schönen Bericht, den sich Interessierte gern durchlesen oder auch anhören (19:47 Minuten) können. Er ist wirklich empfehlenswert! Was ich dir nicht sagen kann ist, welche Firmen wir besuchten. Dieses Detail ist schon in Vergessenheit geraten. Aber hinfahren werde ich bestimmt noch einmal.

Um alle Fotos anzuschauen musst du wieder zur  Galerie surfen. Das geht auch über das kleine quadratische Bild oben rechts in der Ecke. Vielen Dank an dich, dass du die Zeit hattet hier vorbei zu schauen! Ich weiß noch nicht, ob der nächste Beitrag die letzte Location der OUT sein wird oder vielleicht wieder ein spontaner, anderer Beitrag. Bis bald auf jeden Fall.

Advertisements

The Chapel

Es ist Ostersonntag 8:00 Uhr in Cottbus. Wieder machen sich fünf Fotografen auf die Socken um wenigstens einmal im Jahr eine Kirche zu besuchen. Nach gut 2,5 Stunden im Schneckentempo erreichen sie endlich ihr Ziel. Doch als sie die Kirche betreten, ist diese schon leer und verlassen. Offenbar kamen wir circa 20 Jahre zu spät.

Die Fahrt zur Kirche war nervraubend. Ab der polnischen Grenze konnte man auf der Autobahn nur noch durchschnittlich 60km/h fahren. Klischee hin oder her, die Fahrbahn mit Fahrtrichtung ins Landesinnere war mies. Hätten wir uns Martini mitgenommen wäre das alles kein Problem gewesen. Wir wurden geschüttelt und als wir den dicken „HeidePark-Wumbo“ am Rande der Autobahn stehen sahen waren wir von dem Stückchen Heimat auch ein bisschen gerührt. Gut, wir haben gedacht er wurde geklaut. Aber, die Werbestrategie ungefähr 500 km vom Veranstaltungsort entfernt Werbung zu machen, war für uns nicht so ganz offensichtlich.

Wir parkten vor der Kirche und betraten sie demütig. Das bedeutet in diesem Fall, dass wir durch ein kleines Loch am Boden kriechen mussten. Außen sah sie ganz „normal“ aus, ein kleiner Glockenturm, nichts Auffälliges. Im Inneren habe ich ein Becken mit Weihwasser gesucht um mir die Hände waschen zu können, nur war da keins. Also gingen wir weiter ins innere und enterten das Kirchenschiff. „Arrrrr, hier sind die Ungläubigen.„, haben wir gerufen. „Wenn es noch irgend einen Gott interessiert was wir hier machen soll er ruhig mal herkommen!„, ging es weiter. Aber anstelle eines Gottes kam nur ein polnischer Landmann und seine Freundin durch das selbe Loch in die Kirch geklettert. Die beiden konnten uns leider kein Wunder daherzaubern und so mussten wir uns doch mit der Architektur beschäftigen.

Diese war, ich sage mal, ungewöhnlich. Zumindest, wenn man in Deutschland aufgewachsen ist. Multikulti ist selbst heute noch nicht so unser Ding. Und deshalb war ich sehr verwirrt als ich in dieser Kirche stand. Es fehlte an den Eingängen das Weihwasser, es gab keinen Altar, keine heiligen Figuren an den Wänden und keinen Platz für Fürbitten. Als Atheist, der jahrelang katholischem Religionsunterricht beiwohnen musste, fühle sich diese Kirche komisch an. So unfertig. Es gab keinen der typisch-markanten Punkte. Ich wusste nicht was ich tun soll, keine Muse hat mich geküsst und kein Erzengel hat mich gestraft. Somit blieb es mir nur noch übrig mich tatsächlich auf die Architektur zu stürzen.

Erst im Nachhinein wurde mir klar: Das war niemals eine christliche Kirche. Es gab Ränge auf zwei Etagen, mit Holzgittern vom Kirchenschiff abgetrennte Bereiche und keine Sitzreihen. Wir Fotografen hatten uns pauschal darauf geeinigt, dass es wohl eine orthodoxe Kirche sei… Als ich meiner Oma davon erzählte kam ihr das alles recht bekannt vor. Sie erinnerte sich einen ähnlichen Ort bei einer Städtereise in Prag besucht zu haben. Dieser Ort war eine jüdische Synagoge. Jetzt wurde mir so einiges klar und plötzlich wirkte die „Kirche“ auf meinen Fotos nicht mehr unfertig, sondern wunderschön.

Sollte ich als Deutscher ein schlechtes Gewissen verspüren, wenn ich über Juden spreche? Sollte ich ein schlechtes Gefühl dabei haben, einen ihrer heiligen Orte betreten zu haben? Sollte ich vorsichtshalber ein Wort der Entschuldigung niederschreiben und um Verzeihung bitten? Die Antwort lautet Nein. Wozu auch? – Wem hilft es? Wem schenkt es Trost? Das Einzige was ich hier klarstellen muss ist, dass wir alle zusammen weiter daran arbeiten sollten Deutschland von seiner hartnäckigen braunen, nationalsozialistischen Kruste zu befreien, damit der leckere, cremige und weltoffene Kern dieses Landes (noch besser) zum Vorschein kommt.

Diesmal ist der Text fertig bevor ich auch nur ein eiziges Foto angefasst habe, daher weiß ich noch nicht was euch erwarten wird. Wie ihr zur Galerie kommt wisst ihr ja nun bestimmt schon. Ich bedanke mich recht herzlich, dass ihr, das du dir die Zeit genommen hast deine Badehose oder deinen Bikini einzupacken und hier vorbei zu surfen. Viel Spaß beim genauen hinschauen. Bis Sonntag.


Braunkohletagebau

Es ist wie ein Teufelskreis. Dinge drehen sich nur durch die Zufuhr von Energie und schon dreht sich alles nur noch um die Energie. Seien wissenschaftliche- oder politische Ziele.

Letztlich geht es immer nur um elektrische Energie. Strom. Das Zeug, das aus der Steckdose kommt und eine der größten Fortschritte der Menschheitsgeschichte seit der Bändigung von Feuer darstellt. Feuer kann die Menschheit nun seit einigen hunderttausend Jahren gezielt entfachen. Strom nutzen wir erst seit etwa 150 Jahren.

Und woher kommt der Strom? Mittlerweile wissen alle über ‚Ökostrom‘ Bescheid. Alle wissen, Strom aus Kernfissionsreaktoren (Kernspaltung) ist gefährlich, Strom durch Kernfusion ist (noch) Utopie und dann hört das WISSEN oft schon auf. Was nicht in dem Medien ist scheint nicht wichtig zu sein. Fakt ist jedoch, dass, auch wenn die Energiewende erfolgreich ist, ca. 50% unserer elektrischen Energie weiterhin aus Kohlekraftwerken kommen.

Kohle, ein fester fossiler Brennstoff. Er ist alt. Aus der Dinosaurier-Zeit von vor 65 bis 2 Millionen Jahren kommt die Braunkohle von heute, die in den Tagebauen Cottbus-Nord und Jänschwalde abgebaut wird. Steinkohle ist sogar fünfmal älter! Fossil bedeutet auch so etwas wie „Limitierte Auflage“ oder „Begrenzte Stückzahl“. Im Einzelhandel ist so ein Etikett fantastisch um den Verkauf anzukurbeln. Blöd nur, dass wir unsere Kohlevorräte ebenso gierig abbauen als wäre sie ein super Angebot. Hin und wieder finden sich ein paar Leute zusammen und demonstrieren gegen den Abbau unseres wertvollen Energieträgers, den wir uns unter unseren Füßen weg schürfen, als säßen wir auf dem Ast, den wir gerade absägen wollen um ein Feuerchen zu machen.

Genug jetzt vom Moralapostel! Wenn man vom Tagebau hört denkt man an die Zerstörung von Flora und Fauna unter dem Schutzschirm der ‚Rekultivierung‘. Das verblüffende ist, die Rekultivierung scheint offenbar zu funktionieren, auch wenn sie viel Zeit benötigt. Nachdem der braune Brennstoff aus der Erde gekratzt  wurde, kommt wieder Erde bzw. Sand auf die Wunde des Planeten und wird bepflanzt. Zurück bleiben riesige ebene Flächen, fast Heideähnlich,  auf denen der Wind kaum widerstand bekommt. Der ideale Platz für Windkraftanlagen auf dem Festland also!

Ich will das Thema nicht schön reden, keine Sorge. Aber seid euch bewusst, dass etwa die Hälfte dieses Blogs (wahrscheinlich sogar mehr) durch fossile Brennstoffe ermöglicht wurde und damit habt ihr auch diesen Zeitvertreib zu mehr als 50% diesen Brennstoffen zu verdanken. Es muss nicht immer so bleiben! Bleibt sauber…

Zur Galerie geht es wieder oben rechts. Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt! -> Teil 3 des Wochenendes gibt es in naher Zukunft, stay tuned!

Vielen Dank an BSK Spezialkabel und Komponenten, wodurch mir dieser Ausflug ermöglicht wurde.


Neuer Beitrag in Arbeit

Hurra! Der nächste Beitrag ist in Arbeit 😀

Es werden, meiner Meinung nach, echt coole Bilder. Also sie sind jetzt schon super, aber ihr könnt die Bilder ja noch nicht sehen. Vermutlich werde ich die Bilder am Mittwochabend posten.

Wie versprochen werden es die Fotos vom Tagebau Cottbus-Nord und Jänschwalde. Bis dahin, vor-freut euch doch schon mal 🙂