Landschaftsfotoarchitektur – Fotoblog

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Der Motivkönig – Schottland (Tag 5/10)

Wer stolpert des Nachts über die feuchten Wiesen?
Es sind die Fotografen, sie wollen sich nicht den Urlaub vermiesen;
Sie suchen den Steinkreis schon so früh am Tag,
Sie lassen sich Zeit, der Sonnenaufgang naht.

Du Fotograf, warum so bang das Gesicht? –
Siehst du die Motive denn nicht?
Die Motive so traumhaft und schön? –
Sie sind so zahlreich, drum‘ lass das gestöhn. –

„Du lieber Fotograf, komm, bleib nicht nur hier!
Gar schöne Landschaften zeig ich nur dir;
Manch‘ raue Felsen sind in dem Land,
es legt schon ab sein sommerlich Gewand.“ –

Mein Ego, mein Ego, und gierst du nicht,
was der Insta-Graf mir durchtrieben verspricht? –
Sei locker, bleibe locker, du Fotograf;
Das Verlangen der Likes so Manchen schon straf. –

„Wollt, feine Grafen, ihr mir nicht einfach folgen?
Die vielen Likes sollen euch pushen ganz schön;
Die Likes, sie lassen euch Erfolgreich sein
und schmeicheln und loben und säuseln euch ein.“ –

Ihr Freunde, ihr Freunde, und seht ihr nicht dort
die Berge am einsamen Ort? –
Oh Mann, oh mann, das kann doch nicht sein:
Über uns bricht dramatisches Wetter herein. –

„Alle lieben dies Land, es ist ein Genuss;
Und ist es zu willig, so wuchert Tourismus.“ –
Oh nein, oh nein, jetzt ist es zu spät!
Die vielen Menschen haben ihr Unheil gesäht! –

Den Fotografen grauset’s: Sie sorgen sich sehr,
Der Verschmutzung entgegen setzen sie sich zur Wehr,
Ein Jeder macht mit, mit Mühe und Not;
Die Erde ist wertvoll, denn sonst ist sie tot.


Auf der Durchreise – Schottland (Tag 4/10)

Jede Minute ist wichtig. Kein Lichtstrahl soll verpasst werden, denn jeder Einzelne ist einzigartig. Raus aus den Federn! Es sind nur ein paar Minuten Fußweg bis zum Wasser und zur Fähre.

Die blaue Stunde erhellt den Weg, doch es ist dunkler als es sein sollte. Wo die Sonne aufgehen wird, sind Berge. Wo die Berge aufhören, sind Wolken. Wir müssen mit der Fähre übersetzen. Es wird sich lohnen.

Das Frühstück bei Andy war anständig, das Auto ist beladen. Heute Abend wollen wir auf der Insel Skye ankommen. Dafür müssen wir einen Wald, einen Wasserfall, eine Ruine, viel Landschaft, einen See und eine Burg passieren.

Der Wald ist eindrucksvoll, doch nicht das Ziel. Eine Wasserfallkaskade lockt die Fotografen mit ihrem dröhnenden Rauschen aus der Ferne.

Am Fuße des Ben Nevis finden wir einen Ort zu Rast. Alte Mauern erzählen hier Bruchstücke der Vergangenheit, die sich kaum erahnen lässt. Selbst die letzten Spuren vergangener Tage sind schon verwittert und eröffnen den Raum für unsere Fantasie.

Loch Oich, der See der sein Geheimnis vor uns verbirgt. Wie kam dieses Boot, fast schon ein Schiff auf diesen See? Wie lautet der Name dieses gestrandeten Vehikels und warum wurde es sich selbst überlassen?

Beinahe wie Fjorde, entstanden während einer der vier Eiszeiten, Ragen große Landmassen ins Nordmeer und das Nordmeer ins Land. Umspült von Meerwasser, aber dennoch nicht am Meer gelegen sind hier viele Buchten und Burgen. Wasser ist allgegenwärtig, auch wenn es mal nicht regnet.


Wir sind gleich da – Schottland (Tag 3.2/10)

Es ist schon 15 Uhr, beziehungsweise 3PM. Klar, Schottland liegt in einer anderen Zeitzone als Deutschland. So langsam sollte eine Unterkunft für die Nacht gebucht werden. Die Internetverbindung steht, vier Handys haben noch genügend Saft und wir haben beschlossen, dass wir noch etwa 20 Meilen (so langsam gewöhne ich mich an diese imperialen Maßstäbe) schaffen werden. Onich oder Corran wird das Ziel.

Booking.com zeigt auf jedem Telefon unterschiedliche Preise für dieselbe Bleibe an. WTF!? Es soll uns egal sein und buchen tut eben derjenige, bei dem das Angebot am günstigsten ist. Die Reise kann entspannt weitergehen. Allen Zweifeln zum Trotz ist es im Herbst tatsächlich sehr einfach spontan eine passende Unterkunft in Schottland zu finden, auch als Gruppe.

„Wenn wir durchfahren, sind wir in 30 Minuten beim B&B.“ Das Auto folgt der Straße. Es hält an. Die Insassen steigen aus. Klick, klack. Das Auto füllt sich und fährt weiter.

„Wenn wir durchfahren, sind wir in 26 Minuten beim B&B.“ Das Auto folgt der Straße. Es hält an. Wir steigen aus. Klick, klack. Das Auto füllt sich und fährt weiter.

„Wenn wir durchfahren, sind wir in 21 Minuten beim B&B.“ Das Auto folgt der Straße. Es hält an. Wir steigen aus. Klick, klack. Das Auto füllt sich und fährt weiter.

Es beginnt zu dämmern, 5PM. „Wenn wir durchfahren, sind wir in 15 Minuten beim B&B.“ Da wir nur noch drei Stunden haben um einzuchecken, entschließen wir uns nicht mehr so häufig anzuhalten und zum B&B durchzufahren. Das Auto folgt der Straße. Es hält an. Wir steigen aus. Klick, klack. Das Auto füllt sich und fährt weiter.

Jetzt sollten wir aber wirklich weiterfahren! Die goldene Stunde setzt ein und taucht die ohnehin herbstlich gefärbten Berghänge in ein warmes Licht. Zu allem Unglück führt unsere Route durch zugewucherte Straßenzüge, in denen es unmöglich ist die märchenhafte Stimmung einzufangen, Glück gehabt.

Andy begrüßt uns wie ein langjähriger Freund. Er zeigt uns die Zimmer, lässt uns mit unseren dreckigen Stiefeln über weiße Teppiche laufen und empfielt uns den Pub. Mit Pale Ale, Stout und Haggis neigt sich der Tag seinem Ende entgegen. 20 Meilen in etwas mehr als drei Stunden, wer hätte das gedacht?


Von ganz unten nach ganz oben – Schottland (Tag 3.1/10)

Eines finsteren Morgens machten sich drei Gestallten auf ihren Weg, während die letzte Person unserer Gruppe im Bett geblieben ist. Ihr Ziel war ein Loch. Nun befanden sich die Hobbyfotografen in einem Land, in dem es viel und ausgiebig regnet, sodass viel Wasser von den Berghängen ins Tal läuft. Zum Glück waren da diese ‚Löcher‘, denn diese fingen all das viele Wasser auf. Löcher in Schottland können so viel Wasser ansammeln, dass man ihre Ränder sogar Ufer nennen und mit Booten über sie fahren kann.

Ein schottisches Loch ist also ein See und manchmal ein sehr großer See. Einige sind noch viel größer als das Steinhuder Meer, das gar kein Meer, sondern auch ein See ist. Schön ist es an so einem Loch, dachten sich die Hobbyfotografen und machten ein Foto davon. Dass es schön sei an so einem Ort zu wohnen, dachte auch ein reicher Mann um 1800 und ließ eine Burg erbauen. Da er selbst beim Bau nicht geholfen hat, wurde ihm schnell langweilig und selbst seinem Garten war er bald überdrüssig. So zog er bald wieder aus und die Burg stand leer. Ihm fehlte die Wertschätzung für seine Burg. Nicht einmal Feinde hatte er, gegen die er seine Burg verteidigen konnte.

So verloren auch die Fotografen die Lust Fotos zu schießen. Nach einem Full-Scotish-Breakfast setzten alle vier die Reise fort. Sie fuhren entlang des wunderschönen Loches, dessen Name Loch Lomond war, bis sie einen Wasserfall fanden. Wenig kreativ, nennen die Schotten ihre Wasserfälle „Falls“, sodass nun dieser den Namen „Falls of Falloch“ trug.

Das Auto mit den Reisenden fuhr weiter und in Richtung der nördlichen Ländereien. Norden ist auf der Karte oben und „oben“ ist im Englischen „high“. So wussten die Reisenden, ihr Weg führte sie in die Highlands.

Berge türmten sich entlang der Straßen auf. Manche so hoch wie Kirchtürme, andere so hoch, dass sie sich in den Wolken verstecken konnten. Ihre Form war rundlich, wie ein dicker, unförmiger Bauch und ihre Täler waren karg. Der Herbst hatte so manche Mühe alle Stellen zu erreichen. Da wurden die Hobbyfotografen neugierig, wie schwer es wohl sei, vom Tal aus, einen Berg zu erklimmen. Kurzerhand hielten sie in einer Gegend namens Glencoe an, in der ein Wasserfall von einem Berg herunterfloss. Sie fanden heraus, je höher sie kletterten, desto anstrengender wurde der Weg.

Und der Berg war gemein. Er behielt den Wasserfall für sich und versteckte ihn hinter hässlichen Büschen und Sträuchern, die die Hobbyfotografen nicht fotografieren wollten. So stiegen sie den Berg wieder hinab und beratschlagten sich in einer Herberge. Wie es wohl weitergeht? Das erfahren wir erst der nächsten Geschichte.


Memento Alba – Schottland (Tag 2/10)

Aufgewacht. „Wo bin ich“? Ein Apartment in Edinburgh. Ein cooles und gut gelegenes Apartment. Nichts in den Schränken, keine Koffer. Ich gehe ins Bad. Eine Zahnbürste. Nicht meine, oder doch? Gestern Abend haben wir noch Zahnbürsten gekauft. Es knarzt auf dem Flur. „Moin! Wir haben Instant-Kaffee gefunden, er ist schon fertig.“ Warum habe ich noch immer dieselbe Unterhose am Körper wie gestern? Keine Koffer. Ich verlasse das Zimmer. „Und?“ „In einer halben Stunde können wir anrufen.“ „Wo?“ „John G., der Typ vom Airport. Er wird uns sagen können wo unsere Koffer sind.“ Ich glaube nicht daran.

Wir gehen Frühstücken. Der Kofferkurier weiß eh nicht wo unsere Bude ist, aber er kennt das Office. „Hier, zwei Frühstück für 10 Pfund.“ „Klingt gut.“ Der Laden sieht aus wie ein American Diner. „Good mornin‘, four times full breakfast? Any allergies or intolerances?“ Ich nicke. Die Kellnerin verschwindet, bringt mir ein Tablet und filtert alle Speisen raus, die Weizen einhalten. „Thanks.“ Das Frühstuck ist warm, herzhaft, eine große Portion. Gut. Wir gehen zum Office und fragen nach unseren Koffern. Noch immer nicht da. „Wann müssen wir auschecken?“ „In einer Stunde.“

Ein flüchtiger Blick aus dem Fenster. Ein Transporter hat angehalten, liefert Gemüse. Noch ein Transporter. „Da steht City-Irgendwas drauf! Geht mal einer runter, der könnte die Koffer haben.“ „Yes, I have a lot of baggage.“ Ein roter und ein blauer Koffer, das sind sie. „Sign here please.“ Wir haben unser Gepäck. Rauf, umziehen, runter, auschecken, in die Straßenbahn, den Leihwagen abholen.

„Nein, geben Sie uns den Wagen so wie wir ihn gebucht haben. Ohne extra Versicherung, ohne alle weiteren Extras!“ „Was heißt Kombi auf Englisch? Station-Wagon? Aha.“ „Mach‘ mal Fotos, der hat überall Macken und das Lenkrad ist auf der Beifahrerseite.“ Linksverkehr. Kein rechts-vor-links, kein links-vor-rechts und überall Schafe. „Warum sind hier überall nur Kreisverkehre?“ Kein Stau, kein stocken, alle halten sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung, kein Drängeln. Angenehm.

Das erste Ziel heißt Devils Pulpit. Wo ist das denn nun? Die Schilder helfen nicht. Pulpit.. Pulpit.. Kanzel? Warum geht es da 30 Meter runter? Und wie sind die Leute da unten runter gekommen? Helme, Seile. Naja, das Wäldchen ist auch ganz schön. Ich mache ein Foto. Daran möchte ich mich erinnern.

Es sind noch ein paar Kilometer bis zum nächsten Ziel. „Falsch!, Meilen, Yards, Fuß, und Inches. Das muss sich der Teufel ausgedacht haben.“ Wir steigen in den Station-Wagon ein, schauen auf die Karte, Google-Maps. Die Straßen sind breit. „Rechts abbiegen, links fahren.“ Gut. Die Landschaft ist durchschnittlich. „Linke Spur! Links fahren!“ Die Landschaft lässt zu wünschen übrig. Es wird schon dunkel. Es ist gut für heute. Morgen stehen wir früh auf, vor dem Frühstück.


Eine Reise ohne Koffer – Schottland (Tag 1/10)

Koffer packen, einchecken, umsteigen, ankommen und schon ist der Urlaub vorbei. Aus Gründen der Transparenz soll erwähnt werden, dass es kein Koffer auf der Flugverbindung Hannover-Amsterdam-Edinburgh (KLM) schafft in das Flugzeug der zweiten Etappe verladen zu werden. Reisetipp 75: Wichtiges sollte auf Flugreisen im Handgepäck mitgenommen werden.

Ohne die schweren Koffer am Hacken hinderte uns nichts daran Edinburgh zu erkunden, Glück gehabt! Vom Flughafen ging es mit der Straßenbahn in die Innenstadt, anschließend ca 5 Minuten zu Fuß weiter zur Altstadt. Dass wir richtig waren, konnten wir hören. Nach immerhin 1 Stunde auf schottischem Boden hörten wir jetzt erst den ersten total authentischen und nicht touristischen Dudelsack. Edinburgh, das hat viel zu lange gedauert und muss besser werden!

Eingefangen von der Tourismusmaschinerie folgten wir einfach den Zeichen, die auf Qualität und wahre Sehens-Würdigkeit hinweisen: Chinesische Reisebusse!

Zu sehen gibt es in dieser Stadt allerhand. Gassen, Kirchtürme, Paläste, Straßenzüge, Aussichtspunkte und und und. Dennoch sollte nicht vergessen werden, in dieser Stadt leben und arbeiten Menschen. Daher ist nicht jede Straßenecke eine Empfehlung wert. Dennoch macht man nichts falsch auch ohne Ziel loszustiefeln oder mal nicht den direkten Weg zu gehen.

Am Abend hat uns ein hochgelegener Aussichtspunkt gelockt. Wir hofften von dort unsere verlorenen Koffer zu entdecken. Fehlanzeige, es war schon zu dämmerig. Ernüchtert wendeten wir uns dem fantastischen Sonnenuntergang zu, tranken danach ein Bierchen und ließen den Tag ausklingen.

Zum Album geht es hier entlang oder über eines der Fotos. Ich rate dazu bald wieder hier im Blog reinzuschauen, denn der nächste Beitrag ist nicht weit entfernt. Danke und bis bald.


Innere, ???, Innerste

Warum das Adjektiv ‚innere‘ bzw. ‚inner‘ keinen Komparativ hat, will ich jetzt nicht erklären. Mal abgesehen davon, dass ich es nicht weiß und mich so etwas auch herzlich wenig interessiert. Mir geht es um den Superlativ im Titel, auch wenn ich diesen gar nicht direkt meine.

Zum Abschied aus Hildesheim führte mich meine Tour an die wässrige Lebensader Hildesheims, die Innerste. Sie ist ein knapp 100 km langer Fluss, der dem Harz bei Clausthal-Zellerfeld entspringt und nahe Hannover in die Leine mündet. Die Innerste ist jedoch nicht nur Bestandteil vieler Gründungslegenden Hildesheims und damit ein Überbleibsel der Geschichte. Die Stadt bezieht elektrischen Strom aus einem Wasserkraftwerk, das die Energie des Flusses nutzt. Außerdem wird das fließende Gewässer auch gern mit Kanus bereist. Dabei muss es sich nicht unweigerlich um eine Kaffeefahrt handeln. Im Bereich der Bischofsmühle und des Insel-Cafés kann ein Teils des Flusses auf eine künstliche Wildwasserbahn umgeleitet werden.

Folgt man dem Flusslauf, so bleibt man fast immer in der Nähe von Naherholungsgebieten wie Feldern, Gärten, Wiesen, Parks, Koppeln und kleinen Wäldchen. Zum Joggen, für eine Flachlandwanderung oder eine familiäre Fahrradtour ist die Innerste absolut weiterzuempfehlen (PDF-Download: „Naturerlebnisweg – Alles am Fluss“ 15MB)! Weiterempfehlen kann ich auch das Panorama, auf das ihr alle jetzt schon sehnsüchtig wartet.

Danke fürs vorbeibrowsen und bis die Tage.